Auf den Spuren von Hans Haas – Gudrun und Werner Ruf

Wie kommt ein Hohenloher dazu, sich dem Tauchsport zu verschreiben? Durch Begeisterung! Diese Begeisterung hatten bei Gudrun die Filme über die Unterwasser Abenteuer von Hans Haas ausgelöst. Über sehr viele Jahre ist das nun her. Was Hans und Lotte Haas für den internationalen Tauchsport waren, das wurden, in verkleinertem Maßstab, Gudrun und Werner Ruf für die Tauchsportgruppe des TSV Niedernhall. Ohne sie gäbe es die Tauchsportgruppe des TSV Niedernhall wahrscheinlich nicht.

In Neptuns Reich 

Es war das Jahr 1966. Nie im Traum hätte Werner daran gedacht, dass mit einem Tauchurlaub in Syrakus, Sizilien die Keimzelle für einen neuen Tauchsportclub oder eine neue Tauchsportabteilung des TSV Niedernhall gelegt würde. Gudrun wollte es endlich mit dem Tauchen probieren, auch Werner war nicht abgeneigt. Damals, 1966, „war noch nicht viel mit Tauchen“, erinnert sich Werner heute. Familiär ging es zu in der Clubanlage auf Sizilien, sie waren die einzigen Tauchgäste. Erster Tauchgang im Meer. Erstmals Fische gesehen.“Ah, die Fische!“, schwärmt Werner noch heute bei der Erinnerung an seinen Jungferntauchgang im Mittelmeer.

Gudrun Ruf 1966

Dranbleiben, besser werden 

Die Begeisterung war nun endgültig geweckt. Auch wenn sich, wie sich Werner erinnert, das Verständnis für das neue Hobby außerhalb der Taucherkreise eher in Grenzen hielt. „Wenn du ersaufen willst, dann geh halt“, zitiert er einen damals oft gehörten Spruch. Die Erfahrungen auf Sizilien hatten den beiden vor Augen geführt, welchen Spaß das Tauchen machen kann. Aber auch, dass mehr dahinter steckt. Vor allem aber, dass jetzt Dranbleiben gefordert war. Arbeit an sich selbst, an den taucherischen Fertigkeiten. Training also. Schon ein Jahr später ging es wieder zum Tauchen ins Mittelmeer, diesmal auf die griechische Insel Korfu. Dort machten die Ruf’s den so gennanten Bronze-Kurs, den ersten taucherischen Stern, der zum selbständigen Tauchen mit einem erfahrenen Tauchführer berechtigt. So wie das Wasser kreisförmige Wellen macht, wenn ein Stein hineingeworfen wird, verbreitete sich zuhause in Hohenlohe die Kunde vom tauchenden Werner Ruf. Mit seinem Kollegen Jürgen Eiselt, selbst passionierter Schnorchler, führt Werner Gespräche, über das gemeinsame, nasse Hobby. Werner, damals Übungsleiter beim Jedermannturnen im TSV mit Günther Zschörner, hatte über den Württembergischen Landesverband für Tauchsport von der Möglichkeit erfahren, Übungsleiter Tauchsport zu werden. Dazu jedoch bedurfte es eines Clubs, eines Vereinsdachs. „Jürgen Eiselt hat uns unterstützt, er hat gesagt: Macht„. Die Idee, einen eigenen Verein zu gründen und die Tauchausbildung in diesem Club zu systematisieren, nahm konkret Gestalt an.

Armin Kratky, Günther Zschörner, Werner Ruf, Italien 1970

 Begegnung auf Elba

Es folgten Tauchurlaube an der Costa Brava und auf Elba – Ruf’s blieben ihrem neuen Hobby treu. Auf Elba kam es zu einer Begegnung mit einem Taucher, welcher für die Entwicklung der TSV Tauchsportgruppe wohl erhebliche Bedeutung hatte. Obwohl das damals noch nicht vorhersehbar war. Jener besagte Taucher aus Berlin arbeitete auf einem Schiff, das die Geschäftsidee verfolgte, Tauchgruppen hinaus aufs Meer zu fahren. Der Kontakt wurde auch in Deutschland aufrecht erhalten, und eines Tages überraschte der tauchende Bekannte Gudrun & Werner mit einem Besuch in Niedernhall. An seinem Auto hing ein Anhänger, voll bepackt mit Tauchausrüstungen. Man vereinbarte auf Wunsch des Überraschungsgastes, zunächst den Anhänger mit Ausrüstung und später die Ausrüstung ohne Anhänger in Niedernhall zu lagern. Und da lag sie nun. Lange Zeit geschah nichts mehr. Werner fragte mehrfach nach, wann er die Ausrüstung endlich wieder los würde. Schließlich teilte der Eigentümer telefonisch mit, das Werner in seinem Namen verkaufen solle, was sich verkaufen ließ.  So wurde der Standort  Niedernhall erste Anlaufstelle in Hohenlohe für jene, die Ausrüstung oder auch nur Tipps in Sachen Ausrüstung brauchten. Jahrelang sollte dies so bleiben.

 

Unter dem Dach des TSV Niedernhall

Die Zahl der Tauchsport Interessierten war gestiegen. Werner Ruf trainierte beim Tauchclub Heilbronn mit und schaute dem Vorstand und dem Kassier über die Schluter. Praktische Geburtshilfe für den künftigen Niedernhaller Club. 1974 schlug dann die Geburtsstunde der Tauchsportgruppe im TSV Niedernhall. Die Heilbronner Tauchkameraden hatten zu dieser Lösung geraten.

„Mache das über einen Sportverein. Hänge dich an einen Hauptverein. Gründe eine Abteilung“, erinnert sich Werner an den Ratschlag von Walter Heinrich  aus Heilbronn. Der damalige 1. TSV-Vorsitzende Günther Kositzke unterstützte das Vorhaben, ganz gleich, ob nun Rat und Tat oder auch nur ein Stempel gefordert waren. Selbstverständlich wurden die Taucher, Anfang der 70er noch Exoten, mitunter skeptisch beäugt. Werner, seinerseits als „Jedermänner Übungsleiter“ allen bestens bekannt, wusste, was zu tun war: Information, Aufklärung. Hier bewährte es sich, dass er bereits mit der Unterwasserfotografie begonnen hatte. Die Fotos von der Schönheit der Unterwasserwelt schufen Verständnis für die neue Abteilung des TSV. Bei der Akzeptanz gab es nie Probleme. Pro Jahr wuchs die Abteilung in den 70ern um fünf bis acht Mitglieder. Erste Zeitungsberichte erschienen, so zum Beispiel über einen zweiten Platz einer Niedernhaller Tauchsportlerin beim Jagstschwimmen.  Jürgen Eiselt entwarf ein Abteilungs Logo mit zwei stilisierten Tauchern. Es wird noch heute verwendet. Anfang der 90er Jahre knackte die Tauchsportgruppe die 100-Mitglieder-Marke.

Gründungsmitglieder bei der 30 Jahre Feier 2004
Fam. Eiselt, Günther Zschörner, Fam. Ruf, Eduard Hiller

Trainiert wurde in den Anfangsjahren im damals nur 1,30 Meter tiefen Lehrschwimmbecken in Ingelfingen, später durch Unterstützung der Künzelsauer TSV Schwimmer im Hallenbad in Künzelsau. „Da haben wir auch mal das Becken geschrubbt. Da hieß es dann: „Jungs, das macht ihr klasse“, erinnert sich Werner. Bald war auch das Training im Freibad möglich – damals allerdings noch gegen Eintrittt. Das hat sich inzwischen geändert. Eine entscheidende Investition  für mehr Selbststängikeit war der Kauf eines eigenen Kompressors, mit dem die Pressluftflaschen befüllt werden können. Das war 1999. In diesem Jahr bezog die Tauchsportgruppe auch ihren Geräteraum im Bildungszentrum. Letzlich, so erinnert sich Werner Ruf, war die Anfangszeit nicht von einem einzigen großen Ereignis geprägt, sondern von vielen kleinen Ereignissen. Ruf wörtlich: „Hauptsächlich waren es viele kleine Schritte.“ Oder, um beim Tauchsport zu bleiben, viele kleine Flossenschläge. Heute ist Werner Ruf 1-Stern-Tauchlehrer des Welttauchsportverbandes CMAS und Padi Master Instructor. Er hat inzwischen über 1700 Tauchgänge in sein Taucherlogbuch notiert, Ehefrau Gudrun immerhin stolze 400. Noch immer absolviert er pro Jahr rund 30 Tauchgänge. Auch Sohn Markus Ruf wurde frühzeitig mit dem „Tauchvirus“ infiziert. Er ist derzeit Student der Meeresbiologie an der Universität Sabah und Forschungsassistent der Marine-Research-Foundation von Malaysia. Bereits als Student hat er eine bis dahin unbekannte Meeresschnecke entdeckt. Sie trägt nun den offiziellen wissenschaftlichen Namen „Turbo markusrufi„.

 Ausflug an den Bodensee

 

Tauchreisen in alle Welt

In den ersten Jahren ihres Bestehens veranstaltete die Tauchsportgruppe ein gutes Dutzend Ausfahrten an die Costa Brava und nach Südfrankreich. In der jüngeren Vergangenheit gewannen „exotische“ Ziele immer mehr an Bedeutung. Die Erschließung Äyptens als Tauchreiseziel in den 80er und 90er Jahren ermöglicht es, nur rund viereinhalb Flugstunden von Stuttgart entfernt an herrlichen tropischen Korallenriffen zu tauchen. 1995 reiste die Tauchsportgruppe nach Safaga, südlich von Hurghada.

Safaga, Ägypten, 1995

Zwei Jahre später stand eine Kombination von Landtauchgängen und Kreuzfahrt in El Quseir auf dem Programm. Ein Jahr zuvor, 1996, hatten die Hohenloher Taucher sogar den Indischen Ozean erkundet: Die Malediven Insel Meerufenfushi (auch kurz Meeru genannt) im Nord Male Atoll war damals das Urlaubsziel.

El Quseir, Äypten, 1997

Spektakuläre Tauchgänge absolvierten 20 Mitglieder, die im September und Oktober 2005 an der Ägypten Südtour auf der Ramadan Safaga 4 teilnahmen. Bereits 2001 hatten die Taucher eine Kreuzfahrt in Kroatien unternommen. spektakulär waren auch die Tauchgänge zu den Wracks vor der Kroatischen Küste im September 2003. Die Niedernhaller Sporttaucher besuchten unter Leitung von Ralf Herrmann das Wrack der legendären Baron Gautsch, der „Titanic der Adria“, sowie das Wrack des Weltkriegsschiffs Giuseppe Dezza, der Coriolanus sowie der beiden Frachter Maona und Istra vor Rovinj.

Kreuzfahrt Koratien, 2001

 

Kaltwassertauchgänge

Warum denn in die Ferne schweifen… Nach diesem Motto suchen die TSV Taucher auch immer wieder Tauchziele in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. An erster Stelle ist hier der Bodensee zu nennen.
Ein beliebtes Reiseziel stellt die Schweiz mit dem Zugersee, dem Vierwaldstättersee, dem Thunersee, dem Zürichsee, Walensee und Ägerisee dar. In Österreich waren und sind der Attersee, der Hallstättersee, der Grundelsee, der Vordere Gosausee, der Traunsee, der Blindsee und der Fernsteinsee mit dem Samerangersee immer wieder Ziele von Ausfahrten. 2004 und 2005 erkundeten die TSV Taucher die Saaletalsperre in Thüringen. Auch der Kulkwitzer See bei Leipzig war schon ein Tauchziel.
Nur rund eine Stunde Autofahrt von Hohenlohe entfernt liegen außerdem die (Bagger-) Seen im Großraum Karlsruhe: Linkenheim, der Epple See, Eggenstein und natürlich der offizielle Ausbildungssee am Campingplatz in St. Leon Rot. Direkt vor der Haustüre liegt bekanntlich die Jagst, die von Schöntal, Westernhausen, Hohebach und Krautheim aus betaucht wird.

Blindsee, Österreich Tirol

 

Eine feste Größe im jährlichen Terminkalender ist das Silvestertauchen im Garnberger See. Die jährliche Tauchertaufe findet in aller Regel im Rahmen des Sommerfestes an der Jagst beim Kloster Schöntal statt. Fast schon “ Pflicht“ ist auch der jährliche gemeinsame Ausflug zur Wassersportmesse „Boot“ in Düsseldorf.


Silvestertauchen Garnberg 2005

 

Training und Schnuppertauchen

Die Tauchsportgruppe des TSV Niedernhall bietet Tauchen in erster Linie als Freizeitsport an. Kondition und Koordination unter Wasser müssen aber auch im Freizeitsport trainiert werden und stehen deshalb auf dem Trainingsplan. Das Training gliedert sich in das so genannte ABC-Training mit Maske, Schnorchel und Flossen sowie in das Kompletttraining mit kompletter Ausrüstung samt Pressluftflasche. „Die Handgriffe müssen Routine werden“, beschreibt Ralf Herrmann den Zweck des Kompletttrainings. Auch Rettungsübungen gehören zum Trainingsprogramm im Künzelsauer Tollkün beziehungsweise im Freibad Niedernhall. Ralf Herrmann: „Rettungsübungen sind wichtig, um dem Partner Hilfeleistungen geben zu können. Tauchen ist nun mal Partnersport.“ Trainiert wird auch das klassische „Luft anhalten“. Gute Apnoe Zeiten sind im Zweifelsfall lebensrettend.

 Freibad Niedernhall 30.07.2005

Während des Umbaus des Künzelsauer Hallenbades 2000/2001 waren die Niedernhaller Sporttaucher im Öhringer Rendelbad zu Gast und wurden dort herzlich aufgenommen. Seit dem Jahr 2001 kooperiert die Tauchsportgruppe mit der Grund- und Hauptschule Künzelsau und bietet bei deren „Indoor-Sporttag“ Schnuppertauchen für Schülerinnen und Schüler an. Jeder, der sich für Tauchsport interessiert, kann an so einem Schnuppertraining teilnehmen, und jährlich nutzen rund 40 Gäste dieses kostenlose Angebot.

Indoor Sporttag GHS Künzelsau